Im neuen Schulhaus angekommen

Schulhaus Juventus Technikerschule Zuerich

Endlich ist es so weit! Wir schreiben den 5. September 2017, und ich bereite mich auf die Begrüssung der neueintretenden Studierenden vor.

Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mögen sich an dieser Stelle fragen, weshalb ein Schulleiter im seinem achten Dienstjahr die Begrüssung der neueintretenden Studierenden zum Thema dieses Artikels macht. Nun, für einmal verlasse ich bekannte Pfade und betrete genau wie die Studierenden Neuland. Denn es wird meine erste Begrüssung der Neueintretenden im neuen Gebäude der Juventus Schulen an der Lagerstrasse 102 sein. Mein ehemaliger Deutschlehrer würde mich an dieser Stelle vielleicht für die etwas vielen «neu» und «erst» oben rügen, doch für einmal sind sie bewusst gewählt und haben zweifelsohne ihr Daseinsrecht. Denn vieles ist neu, sehr vieles! Und die Vorfreude ist entsprechend gross. 

Der lange Weg dahin 
Über drei Jahre lang habe ich mir jedes Mal auf meinem Arbeitsweg während der Einfahrt der S15 – damals war es noch die S5 – in den Zürcher Hauptbahnhof ein Bild machen können, wie aus der Idee und dem Plan Schritt für Schritt Wirklichkeit wurde. Zu Beginn waren Zügeltermin und Einzug ins neue Gebäude zwar noch in weiter Ferne, doch die Vorfreude wuchs stetig – das Projekt «neues Schulhaus» bestimmte mehr und mehr mein Schulleiterdasein.  

Auf Grundrisspläne folgten Infrastrukturkonzepte 
Bestehende Konzepte wollten hinterfragt sein, neue Ideen wurden aufgenommen. Die einen reiften zu Konzepten und Plänen, andere wurden wieder verworfen. Und so wie das Gebäude im Baufeld H Etage für Etage in die Höhe wuchs, begann das Puzzle der Juventus Schulen an der Lagerstrasse 102 Teil für Teil Form anzunehmen. Auf die Grundrisspläne der Räumlichkeiten folgten Infrastrukturkonzepte, Visualisierungen von Schulzimmern und Büroräumlichkeiten und eine erste Besichtigung des Gebäudes wenige Monate vor dem Abschluss des Innenausbaus. 

Chaos und Betongrau 
Damals herrschte zwar noch das Betongrau vor, Kabel hingen von den Decken, und weil zum Teil noch Wände fehlten, war die Orientierung im Gebäude recht schwierig. Ehrlich gesagt, deutete nicht viel darauf hin, dass in diesem Haus die Juventus Schulen in knapp drei viertel Jahren den Betrieb aufnehmen würden. Selbstverständlich wusste ich, dass neue Gebäude bis kurz vor der Bauübergabe in erster Linie chaotisch wirkende Baustellen sind, und deshalb konnte all das meine Vorfreude kaum trüben. 
Wir können uns viel vorstellen; der menschlichen Phantasie sind eigentlich keine Grenzen gesetzt. Nicht selten aber führen genau diese beiden Eigenschaften zu Enttäuschungen, wenn die Bilder im Kopf von der Realität eingeholt werden. Und so blieb doch der eine oder andere Zweifel, ob denn wirklich alles so sein würde, wie ich mir das vorgestellt hatte.  

Erwartungen übertroffen 
Nun, am ersten Arbeitstag nach meinen Sommerferien, sind diese Zweifel nicht nur ausgeräumt, sondern meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Alles wirkte hell, freundlich, voller Leben und trotz beinahe 30 Grad Aussentemperatur angenehm kühl. Die Aufenthaltszonen im Treppenhaus – individuell eingerichtet auf jedem Stockwerk – waren in den Pausen rege besucht, sei es, um sich zu verpflegen, sich digital zu aktualisieren oder einfach, um zu plaudern.  
In den Schulräumen steht nun jedem Dozierenden ein «Surface» zur Verfügung. Alle digitalen Dienste sind nun über einen einzigen persönlichen Login erreichbar. Die gute alte Wandtafel hat einem Whiteboard Platz gemacht, und anstelle eines Deckenbeamers ist jedes Schulzimmer mit einem grossen, hochauflösenden Bildschirm ausgestattet. Auch ein voll ausgerüsteter Fitnessraum im ersten Stock gehört zum Programm und steht nicht nur den Lernenden der Juventus Schule für Medizin, sondern auch allen Dozierenden zur Verfügung.  
Damit so etwas überhaupt realisiert werden kann, braucht es Engagement, Mitarbeit und überdurchschnittlichen Einsatz jedes Einzelnen. Es war beeindruckend, zu erleben, was das Juventus Team in den vergangenen Monaten und Jahren alles geleistet hat.  

Die Freude überwiegt, wenn auch ein bisschen Wehmut bleibt  
Unterrichten in überhitzten Schulzimmern, der Bau- und Autolärm von der Lagerstrasse, der in den vergangenen Jahren oft erheblich störte, und der kleine, am Abend meistens überfüllte Empfangsraum gehören nun endgültig der Vergangenheit an. Vermissen werde ich bestenfalls die altehrwürdigen Treppenhäuser an der Lagerstrasse 45 mit ihren grauen Klinkerböden. Zu viele Erinnerungen an meine Studien- und langjährige Dozentenzeit sind wohl damit verbunden. Neubeginn und Abschied liegen eben oftmals sehr nahe beieinander.  
Während das weinende Auge die vielen Jahre an der Lagerstrasse 45 noch einmal Revue passieren lässt, blickt das lachende erwartungsfroh in die Zukunft. Denn eines ist gewiss: Am neuen Standort haben wir eine exzellente Ausgangslage geschaffen, um die Juventus Schulen in den kommenden Jahren noch erfolgreicher zu machen.  

Peter Jost, Schulleiter Juventus Technikerschule HF