Digitalisierung in der Schule - Juventus Technikerschule HF

Digitalisierung in der Schule

Bild Digitalisierung Juventus Technikerschule

Die Digitalisierung prägt unseren Alltag – je länger, je stärker. Wir haben uns in unseren diesjährigen Newslettern damit befasst. Zum Abschluss des Jahres fragen wir uns: Was macht die Digitalisierung mit unserer Schule?

Nationalrat Hans-Ulrich Bigler sagte im November 2017 am TechLunch der Juventus Technikerschule HF: «Die Digitalisierung ist in der Industrie längst Tatsache, nun hat sie einfach noch die Politik für sich entdeckt.» Und vielleicht trifft das auch für Schulen zu. Begriffe wie Blended oder E-Learning, E-Testing und E-Books sind längst in aller Munde, und fast zu jedem Thema findet man heutzutage auf Youtube ein entsprechendes Erklärvideo. Vergangen sind die Zeiten, wo die Studierenden vor allem Fachbücher und Ordner zum Unterricht schleppten. Heute reicht den meisten ein Laptop oder ein Tablet.

Wissen ist omnipräsent
Effizient Lernen heisst heutzutage, sich Wissen aus ganz verschiedenen Quellen zu erschliessen und zweckdienlich zu vernetzen. Früher schrieben die Studierenden von Hand Randnotizen in die Unterlagen, die sie von den Dozierenden erhalten hatten. Heute verlinken sie die elektronisch abrufbaren Lerninhalte und fügen weitere eigene Webinhalte ein. Die Kunst des Lernens besteht für sie vor allem darin, das für sie Wesentliche aus der Informationsflut herauszufiltern und so zusammenzustellen, dass sie jederzeit effizient darauf zugreifen können.

Doch wenn man die Geister ruft, kommen nicht nur die guten! Bei Informationen aus gedruckten Lexika und Fachbüchern konnte man sich früher auf die Solidität und Echtheit des Wissens verlassen. In der Flut von Online-Informationen ist es heutzutage schwierig, Sinniges von Unsinnigem zu unterscheiden: Nur allzu oft entpuppen sich offenbar wissenschaftlich aufbereitete Inhalte beim genaueren Betrachten bestenfalls als Halbwahrheiten. Auch wenn die «kritische Würdigung von Quellen» noch nicht als Unterrichtsfach in Lehrplänen Einzug gehalten hat, so ist sie aus einem zeitgemässen Unterricht kaum mehr wegzudenken.

Die Halbwertszeit des Wissens ist deutlich gesunken
Als Dozent an Fachhochschulen und höheren Fachschulen konnte ich die Digitalisierung der Schule an vorderster Front miterleben. Und weil sie sich Schritt für Schritt vollzieht, hat lange niemand von einem Umbruch gesprochen, sondern vielmehr von einem normalen Veränderungsprozess. Doch manchmal ist es allein die Geschwindigkeit der Veränderung, die diese zu einem Umbruch macht, und diese Geschwindigkeit des Wandels prägt zurzeit das Schulwesen mehr denn je.
Er ist einerseits auf die Verfügbarkeit von tauglichen digitalen Lernplattformen zurückzuführen und die Möglichkeit, diese mit den verschiedenartigen Verwaltungssystemen der Schulen zu koppeln. Lerninhalte zur Verfügung stellen heisst nicht nur, eine geeignete Plattform dafür zu finden, sondern vielmehr noch, diese kostengünstig und effizient zu verwalten.

Andererseits ist die Halbwertszeit des Wissens in den vergangenen Jahren drastisch gesunken und damit die Qualität des Wissens erheblich gestiegen. Gerade im Bereich der Bildung und Forschung ist die Welt im wahrsten Sinne des Wortes zum Dorf geworden. Neueste Erkenntnisse und Erfahrungen stehen heutzutage binnen kürzester Zeit jedermann weltweit zur Verfügung und bilden damit einen extrem fruchtbaren Nährboden, bestehendes Wissen schnell zu ergänzen oder tiefer und exakter zu ergründen.

Bis vor wenigen Jahren stützte sich der Unterricht an den Schulen vor allem auf das Wissen in einschlägigen Lehrmitteln. Heute gilt das bestenfalls noch für Grundlagenwissen – und dort auch nur noch bedingt. Neue Erkenntnisse sollen schnell in den Unterricht einfliessen, und je mehr dies der Fall ist, als desto besser gilt die Qualität des Lernstoffs. Bildung hängt also auch davon ab, wie schnell sich neueste Erkenntnisse in den Lehrplänen niederschlagen. Dies ist mit eine der grössten Herausforderungen, welcher die Digitalisierung im Bildungswesen mit sich gebracht hat.

Auch die Möglichkeit, dann zu lernen, wenn man Lust dazu hat und an den Orten, wo es einem am meisten Spass macht, hat das Bildungssystem verändert. Heutzutage ist man zum Beispiel nicht mehr an Öffnungszeiten von Bibliotheken gebunden, um Nachforschungen anzustellen oder Fachliteratur zu studieren.

Prüfungen werden heute zu einem beachtlichen Teil digital geschrieben und digital korrigiert. Handlungskompetenz und praktische Anwendung rücken mehr und mehr in den Mittelpunkt der Ausbildung. Dies alles unter einen Hut zu bringen und mit den Entwicklungen Schritt zu halten, sind die Herausforderungen, welchen sich jede Schule zwangsläufig stellen muss.

«Welche Unterlagen sind während der Prüfung als Hilfsmittel zugelassen?» Diese Frage ist wahrscheinlich so alt wie das Veranstalten von Prüfungen selbst. Vor einem halben Jahrhundert hat aber niemand wirklich erwogen, seine gesamte Fachliteratur oder gar eine Brockhaus-Enzyklopädie für eine Prüfung anzuschleppen. Seit jedoch alles auf einem Laptop oder einem Notebook verfügbar ist, ist die Versuchung entsprechend gross geworden. Taschenrechner etwa waren schon zu meiner Zeit als Hilfsmittel bei Prüfungen erlaubt. Aber sollen diese nun nicht mehr erlaubt sein, weil sie die Möglichkeit bieten, Lösungen über WLAN auszutauschen? Darf die zugelassene zwei A4-Seiten umfassende Zusammenfassung auch in Schriftgrösse drei geschrieben sein (sie enthält dann sehr viele Informationen, die die Studierenden auf lesbare Grösse zoomen können)? Auch wenn sich vielleicht das eine oder andere leicht anekdotisch liest: Es handelt sich um alltägliche Fragen im heutigen Unterricht.

Qualifizierte Lehrpersonen und der gute alte Schreibblock werden bleiben
Die Digitalisierung hat das Bildungswesen bereits nachhaltig verändert und wird es in naher Zukunft vielleicht sogar grundsätzlich reformieren. Nichtsdestotrotz besteht die Kunst der Kompetenz- und Wissensvermittlung zu einem ganz wesentlichen Teil darin, zum richtigen Zeitpunkt das richtige Modell zu finden, um Sachverhalte auf das Wesentliche zu vereinfachen.

Da bieten uns all die scheinbar unerschöpflichen Quellen noch sehr wenig Brauchbares. Vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil dies sehr viel Erfahrung im Umgang mit Menschen voraussetzt und sich die wirklich guten Modelle den Vorlieben von Studierenden anpassen lassen sollten.

Es mag zwar verlockend klingen, am Puls des Lebens in einem Strassencafé oder in der Beschaulichkeit einer Wald- und Wiesenlandschaft im kühlen Schatten eines Baumes zu lernen. Doch reicht dies für die richtige Lernmotivation?
Lernen heisst nicht zuletzt auch austauschen, sein Wissen mit anderen teilen und Ansätze oder Lösungen von Lehrpersonen direkt hinterfragen. Deshalb wird wohl der gute alte Klassenverband trotz aller Digitalisierung genauso wenig zu ersetzen sein wie die angeregte Diskussion von Studierenden mit ihren Lehrpersonen.