Technikerschule HF Zürich: Hydraulische Giessvorrichtung spart...

Hydraulische Giessvorrichtung spart 20’000 CHF

Bild Dario Ruckstuhl und Marco Waltenspül

Die frisch gebackenen Maschinenbauer Dario Ruckstuhl (26) und Marco Waltenspül (24) entwickelten in ihrer Diplomarbeit eine Hydraulische Giessvorrichtung und holten sich damit die Bestnote ihres Jahrgangs. Im Rahmen der Projektausstellung präsentieren sie ihr Werk vor Eltern, Freunden und Kollegen.


Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Giessvorrichtung zu konstruieren?

Ruckstuhl: Die Themenfindung ging zunächst stockend voran. Weder Marco noch ich hatten eine zündende Idee. Dabei wollte ich als stellvertretender Geschäftsführer der Ruckstuhl AG, einer Metallgiesserei in Wetzikon, von Anfang an gern etwas für unseren Familienbetrieb entwickeln. Eines Abends auf dem Trottoir, also eher ungeplant, ergab sich dann ein Gespräch mit dem Studiengangleiter, Hanspeter Arn. So war die Idee der hydraulischen Giessform geboren.

Wie sind Sie bei der Projektarbeit vorgegangen?

Waltenspül: Wir haben mittels morphologischer Kästen mögliche Lösungen entwickelt und anhand einer Relevanzbestimmung, Nutzwertanalyse und dem S-Diagramm dann die finale Lösung erarbeitet.

Was war im Projektverlauf besonders anspruchsvoll?

Ruckstuhl: Eine Herausforderung ganz am Anfang war, den Projektrahmen mit Auftraggeber und Betreuer abzustimmen. Das haben wir für alle Beteiligten gut gemeistert.

Waltenspül: Ausserdem sollte die Dokumentation so verfasst werden, dass sie auch ohne Giesserei-Background verständlich ist. Und ganz zum Schluss wurde es zeitlich ein wenig eng, da wir uns für dieses spezielle Cover entschieden haben.

Was ist das Spezielle daran?

Waltenspül: Nehmen Sie es mal in die Hand …

Eine «heavy» Diplomarbeit! Ihr habt das Cover aus Aluminium gegossen? Coole Idee, das hat sicher Eindruck gemacht.

Ruckstuhl: Ja, es ist sicher das Tüpfelchen auf dem i (beide lachen).

Ja, Sie haben gut lachen. Sie haben sich mit dieser Arbeit ja einen Sechser geholt. Wie viel Zeit haben Sie investiert?

Ruckstuhl: Über 700 Stunden.

Und wie muss sich jemand ohne Giesserei-Background nun vorstellen, was dieses Teil kann?

Ruckstuhl: Also: Zum Giessen benötigt der Giesser eine Kokille. Das ist ein Werkzeug aus Grauguss, aus dem die Form entsteht. In die Kokille giesst man flüssiges Metall. Das wird beim Abkühlen und Erhärten zur Rohform. Unsere Konstruktion ist dafür gedacht, aufwändige Kokillen zu handhaben.

Waltenspül: Anders als die Konkurrenzprodukte umfasst unsere Konstruktion sechs Dimensionen und ist modular aufgebaut. Das Spezielle ist, dass man durch die oberen und unteren hydraulischen Zylinder die Kerne automatisch herausziehen kann. Somit ist man für komplizierte Giessarbeiten bestens gerüstet.

Und was ist der Nutzen für die Ruckstuhl AG?

Ruckstuhl: Damit erreichen wir in unserem Betrieb eine Zeitersparnis von 235 Mannstunden pro Jahr. In Geld ausgedrückt bedeutet das eine jährliche Einsparung von CHF 20‘000. Zudem können die Mitarbeiter für qualifiziertere Arbeiten eingesetzt werden.

Wenn wir von Geld sprechen, wie viel wird der Bau dieser Maschine kosten?

Waltenspül: Knapp das Doppelte.

Ruckstuhl: In etwas weniger als zwei Jahren wird sie sich also amortisiert haben.

Wie geht es für Sie persönlich weiter nach diesem dreijährigen Studium?

Waltenspül: Ich habe gerade erst im Februar eine neue Stelle als Techniker angetreten und möchte dort jetzt erst einmal meine Sporen verdienen und Erfahrungen sammeln.

Ruckstuhl: Ich bleibe der Firma Ruckstuhl natürlich erhalten und werde die Umsetzung des Projektes leiten.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

Video: Eine Hydraulische Giessvorrichtung mit Bestnote. Im Rahmen der Projektausstellung präsentieren Dario Ruckstuhl und Marco Waltenspül ihr Werk und erklären auf anschauliche Weise in einem Video den Giessvorgang.