Mobile Solaranlage

«MobiSol» – Eine Diplomarbeit

MobiSol Lacher Pfammatter Scherrer v.l.n.r

Gian-Marco Lacher (25), Lukas Pfammatter (30) und Fabian Scherrer (24) liegen mit ihrer Diplomarbeit «MobiSol» in den letzten Zügen. Heute erfolgt die Endmontage der mobilen Solaranlage in den Hallen der Steinel Solutions AG in Einsiedeln, dem Arbeitgeber von Lukas Pfammatter. Wir waren dabei und konnten mit den drei sympathischen jungen Techniker-Studenten aus den Lehrgängen Energietechnik, Maschinenbau und Elektrotechnik sprechen:

Guten Tag meine Herren. Heute erfolgt die Endmontage Ihrer Diplomarbeit, der mobilen Solaranlage «MobiSol». Ein grosser Tag! Wie fühlen Sie sich?

Pfammatter: Ein bisschen aufgeregt, denn heute zeigt sich, ob wir alles richtig gemacht haben. Wir erhalten die Bestätigung in der Praxis, ob wir unsere theoretischen Überlegungen richtig umgesetzt haben.

Scherrer: Ja, funktioniert das, was wir geplant haben überhaupt (lacht). Bis jetzt haben wir immer nur Teiltests durchgeführt, heute ist es das erste Mal, wo alle Komponenten zusammenspielen und funktionieren müssen.

Lacher: Für mich ist es eine Erleichterung. Wir arbeiten seit September 2013 daran und jeder von uns hat über 500 Stunden in das Projekt investiert.

Wie wurde das Projekt gestartet?

Lacher: Als Energietechniker wollte ich ursprünglich eine bestehende kleine Solaranlage aus einer letztjährigen Diplomarbeit erweitern und mit einem Speicher versehen.

Diese Idee war für mich schon sehr spannend, doch im Gespräch mit meinem Dozenten wurde das Projekt dann immer grösser und wir entschieden uns für eine eigene und komplett neue, mobile Photovoltaik-Inselanlage. Die kommt zum Einsatz, wo kein Stromnetz vorhanden ist. Das war dann der Moment, wo Lukas als Maschinenbauer und Fabian als Elektrotechniker dazukamen.

War es für euch einfach, euren Platz in der Arbeitsgruppe zu finden?

Pfammatter: Es ist wie in der Praxis, in der jeder in einem komplexen Projekt seinen Platz finden und ausfüllen muss. Die Definition der Schnittstellen war eine Herausforderung. Ich als Maschinenbauer koordinierte den gesamten Aufbau und musste wissen, wer was braucht. Fabian benötigte eine wasserdichte Box für seine Elektronik, Gian-Marco kam mit 200 kg Akku an, die neben den sechs Solarmodulen auch noch Platz auf der Konstruktion finden mussten.

Wurden Sie während der Entwicklung mit Schwierigkeiten konfrontiert?

Lacher: Eine Schwierigkeit war sicher die korrekte Erdung, sodass die Einheit sicher betrieben werden kann! Das ist durchaus eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, nicht dass jemand beim Betrieb einen Stromschlag bekommt.

Scherrer: Ja, und in meinem Bereich habe ich lange nach einem geeigneten Laderegler-Gerät gesucht, das mir die Daten liefert, die ich zur Überwachung der Anlage benötige.

Wieviel Strom produziert Ihre «MobiSol» an einem schönen Sommertag mit 7 bis 8 Sonnenstunden?

«MobiSol» produziert 4 kWh. Weitere Technische Daten sind 400 kg Komponenten, Batterie Speicherkapazität 6 kWh, PV-Leistung 1.2 kWp (6 Module à 200 Wp), AC Dauerleistung 650 VA und USB-Leistung 50 W.

Ich stelle mir eine Sommerparty am Fluss vor. Für wie lange reicht der Strom aus?

Lacher: Im Akku befindet sich genug Strom, um einen Partybetrieb für zwei Tage aufrecht zu halten, wie Musik hören, Handys und Laptops laden, Licht, Kühlschrank betreiben etc. Doch die Akkus werden ja tagsüber ständig aufgeladen, auch bei bewölktem Himmel. Es gibt also genug Strom über eine längere Zeit.

Scherrer: Ein anderer Vergleich – Mit dem Speicher der Anlage könnte man ungefähr einen halben Tag lang den Strombedarf eines Einfamilienhäuschens decken.

Wie geht es nach der Diplomarbeit mit der Apparatur weiter?

Lacher: «MobiSol» gehört nach dem Abschluss der Diplomarbeit der Technikerschule HF Zürich. Man kann sie für Firmen- oder vor allem Schulausflüge mieten, aber auch für Schul-Projektwochen oder Pfadi-Lager, um Sonnenenergie zu thematisieren. So ist die gesamte Konstruktion auch hervorragend geeignet, um auf die Technikerschule HF Zürich aufmerksam zu machen!

Scherrer: Wie ich gehört habe, gibt es schon einige Anfragen, um sie auszuleihen.

Pfammatter: Natürlich lässt sich das Ganze auch weiterentwickeln. Das könnte dann als Basis für eine weiterführende Diplomarbeit dienen.

Die Sonne wird noch etwa 5 Mia. Jahre brennen, bis sie dann zu einem roten Riesen expandiert; es gibt also in den kommenden Jahren noch spannende Aufgaben für Energieingenieure zu lösen. Doch wie geht es vorerst für Sie persönlich weiter? Welches sind Ihre Pläne nach dem dreijährigen Studium?

Pfammatter: Nach dem Diplom werde ich zuerst kurz etwas herunterfahren, aber wie ich mich kenne, werde ich mich sicher bald auf eine neue Herausforderung stürzen.

Lacher: Erst mal arbeite ich noch etwas weiter, doch gegen Ende Jahr mache ich eine grössere Reise. Dann fahre für zwei bis drei Monate nach Südamerika. Wenn ich zurückkomme werde ich sicher eine Stelle finden, in der ich mein Wissen gezielt einsetzen kann.

Scherrer: Ich habe mir bereits vor der Prüfung einen neuen Arbeitsvertrag ausgehandelt, möchte aber als nächstes in einem Sprachaufenthalt mein Englisch verbessern.

Meine Herren, vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.